Pflanze des Monats 2013
 

Dezember
Einjähriges
Rispengras

 
November
Winterschachtelhalm

 
Oktober
Wild-Apfel

 
September
Zimbelkraut

 
August
Seide

 
Juli
Ehrenpreis

 
Juni
Kleiner Vogelfuß

 
Mai
Wildtulpe

 
April
Dänisches Löffelkraut

 
März
Hungerblümchen

 
Februar
Hasel

 
Januar
Flechten


 

Pflanze des Monats 2012
 

Dezember
Stechpalme

 

November
Efeu

 
Oktober
Greiskraut

 
September
Eberesche

 
August
Wasserschlauch

Juli
Saatmohn

 
Juni
Heidenelke

 
Mai
Wasserfeder

 
April - Lerchensporn
 
März-
Goldstern

 
Februar- Huflattich
 
Januar- Schneeglöckchen

 

 

Pflanze des Monats Oktober


Der Wild-Apfel (Malus sylvestris) - lebt unscheinbar in Knicks und an Waldrändern

Äpfel sind in Mitteleuropa allgegenwärtig. Der Kultur-Apfel (Malus domestica) ist aus unserem Alltag nicht wegzudenken. Viel weniger bekannt ist jedoch, dass der in Mitteleuropa von Natur aus vorkommende Wild-Apfel (Malus sylvestris), wegen seines harten Fleisches auch Holz-Apfel genannt, stark gefährdet ist. Die Überlebensstrategie des Wild-Apfels besteht darin, dass er als konkurrenzschwache lichtliebende Art, die an den Boden keine besonderen Ansprüche stellt, bevorzugt Waldränder und lichte Gebüsche besiedelt. Im Kreis Steinburg tritt er auch vielfach in Knicks auf. Neuere genetische Untersuchungen haben gezeigt, dass der heimische Wild-Apfel nicht die Stammform der unzähligen Kultur-Apfelsorten darstellt. Der Kultur-Apfel ist vielmehr nahezu ausschließlich entstanden aus asiatischen Apfel-Arten, insbesondere dem Altai-Apfel (Malus sieversii). Es hat zwar in der Vergangenheit wechselseitiger Genfluss zwischen Kultur- und Wild-Apfel stattgefunden, allerdings offenbar viel weniger als man bisher annahm, so dass in der Natur durchaus noch reine Wild-Äpfel vorkommen, die besonders schutzbedürftig sind. Deshalb wurde der Wild-Apfel (Malus sylvestris) in Deutschland zum „Baum des Jahres 2013“ bestimmt.
 

Auch im Kreis Steinburg kommen noch echte Wild-Äpfel vor,  was die genetischen Überprüfungen einer Auswahl von Proben gezeigt haben, die zuvor mit feldbotanischen Merkmalen bestimmt wurden. Sie sind in der Natur nicht immer leicht von verwilderten Kultur-Äpfeln zu  trennen, jedoch gibt es eine Reihe von Merkmalen, die für die Identität eines echten Wild-Apfels sprechen. So sind die Sprossachsen, Blätter, Blatt- und Blütenstiele im Frühjahr weitgehend unbehaart (beim Kultur-Apfel und seinen Abkömmlingen sind vor allem die Blattunterseiten auf der Fläche bleibend behaart). Die Blätter (vor allem an Langtrieben) weisen oft eine kurz ausgezogene, seitlich ausgelenkte Spitze auf (beim Kultur-Apfel mit gerader Spitze), die kugelförmigen Früchte sind nur ca. 2-3 cm dick, ihre Grundfarbe ist gelbgrün, rein gelb bis honiggelb, die Deckfarbe (nur bei Sonnenfrüchten) ist als gleichmäßiger fleckenloser roter Hauch entwickelt, ihr Geschmack ist sehr sauer bis bitter (die wohlschmeckenden Kultur-Äpfel sind größer, ihre rote Deckfarbe ist in großer Variabilität und Intensität ausgeprägt). Die Kelchgrube ist, wenn überhaupt vorhanden, nur leicht eingesenkt. Die Stielgrube ist beim Wild-Apfel eng und umschließt den dünnen Fruchtstiel an seinem Grund völlig (beim Kultur-Apfel sind Kelch- und Stielgrube mit freiem Stiel deutlich ausgebildet). Beim Wild-Apfel finden sich oft dornenartige Gebilde, welche allerdings gelegentlich auch bei Verwilderungen alter Sorten des Kultur-Apfels auftreten können.
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




Foto: Volker Arnold

 

Der Wild-Apfel blüht nach dem Laubaustrieb von Mitte bis ca. Ende Mai in wenigblütigen Doldentrauben. Auffällig ist, dass verschiedene Astpartien nicht gleichzeitig, sondern in unterschiedlichen Jahren blühen. Im Knospenstadium, das wegen seines Aussehens  unmittelbar vor dem Aufblühen auch „Ballonstadium“ genannt wird, sind die Blütenkronblätter tief dunkelrosa, voll aufgeblüht schließlich nur noch weiß bis leicht rosafarben. Die im Herbst reifenden leicht wachsbereiften, holzigen Früchte sind aufgrund ihrer hohen Gehalte an Apfel- und Zitronensäure herbsauer und erst nach Frosteinwirkung einigermaßen genießbar. Die Nutzung der Früchte hatte nie große wirtschaftliche Bedeutung, doch werden sie in der Naturapotheke durchaus geschätzt. Man kann daraus nach ihrem Trocknen einen Erkältungstee  bereiten. Die Holzäpfel werden von Volksheilkundlern teilweise auch als Ersatz für Antibiotika und Grippeschutzimpfung empfohlen.
Der heimische Wild-Apfel kann für den Kultur-Apfel eine wichtige Genressource sein, denn sein Anfälligkeitsgrad gegenüber Krankheiten ist in vielen Fällen niedriger als beim Kultur-Apfel.  So bleibt z.B. der Apfelschorf beim Wild-Apfel auf die Blätter beschränkt. Ferner ist der Wild-Apfel nach bisherigen Erkenntnissen u.a. auch mehltauresistent.

Es gibt noch viel über diese bedeutungsvolle Art unserer heimischen Flora zu berichten. Viele sehr ausführliche Informationen über den „Baum des Jahres 2013“ finden sich im Internet. Wir haben einige davon auf unserer Internetpräsenz zusammengestellt. Noch ein Appell an alle naturverbundenen Bürger: Achten Sie bei Spaziergängen im Kreis Steinburg auf dieses schöne Wildobstgehölz und melden Sie uns Ihre Beobachtungen! Jeder überprüfte Fund findet Eingang in die Kartierung der Flora des Kreises Steinburg.

Ausführliche Informationen im  Internet z.B. hier:

Wild-Apfel – Baum des Jahres 2013
Malus sylvestris – Enzyklopädie der Holzgewächse
Malus sylvestris – Pflanzenporträt des Bochumer Botanischen Vereins
Holz-Apfel - Wikipedia
Erhaltung von Malus sylvestris unter In-situ-Bedingungen im Osterzgebirge

Erfassung und Dokumentation genetischer Ressourcen seltener und gefährdeter Baumarten - Endbericht Wild-Apfel (Malus sylvestris)

Weitere Informationen und Kontakt:

Arbeitsgemeinschaft für Botanik im Heimatverband für den Kreis Steinburg e.V.
Cordelia Triebstein

Tel 0172-4508448

info@botanik-steinburg.de
www.botanik-steinburg.de