Pflanze des Monats 2013
 

Dezember
Einjähriges
Rispengras

 
November
Winterschachtelhalm

 
Oktober
Wild-Apfel

 
September
Zimbelkraut

 
August
Seide

 
Juli
Ehrenpreis

 
Juni
Kleiner Vogelfuß

 
Mai
Wildtulpe

 
April
Dänisches Löffelkraut

 
März
Hungerblümchen

 
Februar
Hasel

 
Januar
Flechten


 

Pflanze des Monats 2012
 

Dezember
Stechpalme

 

November
Efeu

 
Oktober
Greiskraut

 
September
Eberesche

 
August
Wasserschlauch

Juli
Saatmohn

 
Juni
Heidenelke

 
Mai
Wasserfeder

 
April - Lerchensporn
 
März-
Goldstern

 
Februar- Huflattich
 
Januar- Schneeglöckchen

 

 

Pflanze des Monats Oktober – das Schmalblättrige Greiskraut

 

 


Foto: W. Jansen

 

Mancher Autofahrer, dem Naturerscheinungen nicht völlig gleichgültig sind, wird sich vielleicht schon einmal gefragt haben, welche hübsche gelb blühende Pflanze es ist, die bisweilen kilometer-lang in ununterbrochenem Bestand auf dem Mittel- oder Randstreifen unsere Autobahnen säumt. Es ist das Schmalblättrige Greiskraut (Senecio inaequidens), das vom Sommer bis in den späten Herbst hinein an unseren Fernstraßen, aber auch an Bahn- oder auf Industrieanlagen blüht. Der aufmerksame Beobachter wird sich unter Umständen auch die Frage vorgelegt haben, ob es diese massenhaften Bestände an den Autobahnen und vergleichbaren Standorten eigentlich schon immer gegeben hat. Diese Frage kann eindeutig verneint werden. Das Schmalblättrige Greiskraut ist ein sogenannter Neophyt, d.h. ein "Einwanderer", der sich erst neuerer Zeit dem einheimischen Pflan-zeninventar hinzugesellt hat.

Die Pflanze ist im südlichen Afrika heimisch und von dort erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit Wollimporten nach Europa gelangt. In Deutschland wurde sie erstmals 1896 vereinzelt im Bremer Überseehafen und in Hannover festgestellt.
Daneben breitete sich das Schmalblättrige Greiskraut unter anderem auch von Lüttich her aus. Von dort erreichte eine erste Expansionswelle 1970 Aachen. Noch bis etwa 1990 war die Art zwar in Nordrhein-Westfalen, ansonsten aber noch nicht sehr verbreitet. Von da an dehnte die Pflanze je-doch ihr Verbreitungsgebiet sehr rasch aus, im Wesentlichen entlang der Hauptverkehrswege. Heute ist sie nahezu in ganz Deutschland, aber auch in vielen anderen Ländern, insbesondere Süd-, West- und Mitteleuropas heimisch. Nachteilige Folgen der Ausbreitung der Art auf die einheimische Flora im Sinne einer Verdrängung empfindlicher Arten sind bisher nicht beobachtet worden, weil sie bisher vor allem ökologische Nischen besiedelt, gestörte, vom Menschen beeinflusste Standorte. In intakten Pflanzengesellschaften, insbesondere, wo diese eine geschlossene Pflanzendecke bilden, hat die Art bisher nicht Fuß fassen können.

Das Schmalblättrige Greiskraut ist eine ausdauernde, stark verzweigte und am Grund verholzende Pflanze mit Wuchshöhen von etwa 20 bis 60 cm. Die hellgelben Blütenköpfe, die wie bei vielen anderen Vertretern der Familie der Korbblütler aus Scheibenblüten und einem Kranz von Zungen-blüten bestehen, erscheinen einzeln an den Enden der Stängelverzweigungen. Die Verbreitung der Samen, die mit einem Haarkranz versehen sind, geschieht überwiegend durch den Wind. Eine ein-zelne Pflanze soll durchschnittlich 10.000 Samen produzieren können. Seinen deutschen Namen verdankt die beschriebene Art ihren nur etwa 2 bis 3 mm breiten (und ca. 6 bis 7 cm langen) Blät-tern. Bei näherem Hinsehen ist zu erkennen, dass der Blattrand fein unregelmäßig gezähnt ist. Die lateinische Artbezeichnung "inaequidens" bedeutet "ungleichzähnig". Der Gattungsnahme "Senecio" leitet sich (wegen des weißen Haarkanzes der Samen) vom lateinischen "senex" = Greis her.

Wie alle anderen Greiskrautarten enthält das Schmalblättrige Greiskraut Pyrrolizidinalkaloide und ist damit giftig. Angeblich wird es, wo es auf Weiden wächst, vom Weidevieh gemieden. Vergif-tungsfälle sind jedoch genau wie beim Jakobs-Greiskraut, das aus diesem Grund in letzter Zeit im Blickpunkt einer breiteren Öffentlichkeit steht, denkbar. Aus Südafrika wurden sogar Vergiftungsfälle bei Menschen berichtet, die Brot verzehrt hatten, das aus mit Greiskrautsamen stark verunreinigtem Getreide hergestellt war.


Von Oktober bis März treffen wir uns regelmäßig zu Arbeiten an unserem Herbarium. Gäste sind herzlich willkommen.